== 0_rep_intro_w ==
Wie man eine Kleinplastik gießt

Ich gebe Ihnen gerne Einblicke in meine Werkstatt, die sogenannte Kreativbude. Auch ich bin nicht als Schlaumeier vom Himmel gefallen und fand immer wieder Menschen, die mir etwas gezeigt haben. «Du sollst nicht stehlen», aber mit wachen Sinnen darfst du alles erfassen und für dich behalten. Ich hoffe, dass Ihnen meine Berichte helfen, die eigene Arbeit leichter zu erledigen.

Dieser Bericht handelt vom Guss aus Beton. Die hochwertigen Mörtel und Hilfsstoffe beziehe ich von ↪ MOERTELSHOP.COM , ein Shop, den ich wegen seiner hochwertigen Produkte und seiner kompetenten Beratung nur empfehlen kann. Auf zwei Fertigmischungen gehe ich in diesem Bericht näher ein, auf ↪ STEINGUSS und auf ↪ MOBYDUR.

Zu ↪ GIPS gebe ich nur einen kurzen Hinweis.

Othmar BOOZ


1  |  STEINGUSS

1.1  |  Vorbereitungen

== gubn_img-01 == Vor dem Gießen wird die Form gereinigt. Schmutz und Reste aus dem Abformprozess beziehungsweise dem vorausgegangenen Guss mindern die Qualität des bevorstehenden Gusses oder machen ihn unbrauchbar. Zur Reinigung reicht in der Regel warmes Wasser mit Spülmittel. Bei hartnäckigen Verschmutzungen sind Lösungsmittel gefragt.

Die saubere Form wird zweimal mit einem Trennmittel für Beton dünn eingestrichen. Dabei dürfen keine Pfützen auftreten.

1.2  |  Einbringen der Randschicht

== gubn_img-02 == Wenn der Beton mit Pigmenten gefärbt werden soll, dann mischt man die Pigmente zunächst für die gesamte Masse unter die Trockenmischung.

Die Randschicht wird in die offenen Form nicht gegossen, sondern eingestrichen. Das Feinmörtel-Pulver STEINGUSS wird zunächst mit der vorgeschriebenen Menge Wasser gemischt. Beim Mischen wird der Steinguss dünn wie Honig. In die dünnflüssige Masse werden alkaliresistente dispersible Glasfasern eingerührt, bis die Masse pastös ist. Mit dieser Masse wird die Form ausgestrichen bzw. ausgetupft. Dabei müssen Luftblasen unbedingt vermieden werden.

== gubn_img-03 == Um zu verhindern, dass der Mörtel während des Betoniervorgangs Wasser verliert, wird die Mörtelschicht gleich nach dem Einbringen des Mörtels mit Folie oder feuchten Tüchern abgedeckt. Zwei bis drei Schichten aus glasfaserbewehrtem Mörtel reichen in der Regel aus. Die Randschicht sollte etwa einem Zentimeter dick sein.

== gubn_img-04 == Nun werden die Trennfugen gesäubert. Dabei bewegt man das Werkzeug (Schaber oder Messer) vom Inneren der Form zum Rand hin, damit kein Mörtel von der Form abgelöst wird.

== gubn_img-05 == Auf die gesäuberten Ränder wird etwas unbewehrter Feinmörtel aufgebracht. Dann wird die Form sofort unter Druck geschlossen, bis die Formteile aufeinander liegen.

== gubn_img-06 == Mit Schrauben oder Klammern werden die Formteile zusammengepresst. So ist gewährleistet, dass nur ein feiner Grat entlang der Trennfugen beim Gießen entsteht und die Form dicht bleibt.

1.3  |  Guss des Kerns

== gubn_img-07 == Jetzt wird der Kern aus reinem Feinmörtel gegossen. Das Material wird zügig an der tiefsten Stelle der Form eingegossen, bis der Kern vollständig ausgefüllt ist.

== gubn_img-08 == Es muss zügig gearbeitet werden!
Nun wird die Grundplatte der Form aufgesetzt und mit den anderen Formteilen verspannt. In die Grundplatte ist ein Gießrohr eingelassen Das kleine Restvolumen in der Form und das Gießrohr werden mit Feinmörtel gefüllt

1.4  |  Ausformen und nachbehandeln

== gubn_img-09 == Das Material muss einige Stunden abbinden, damit auch feine Teile (z.B. die Ohren) eine ausreichende Festigkeit haben. Beim Ausformen - «Abschälen» der Silikonform - treten nicht zu unterschätzende Kräfte auf.

== gubn_img-10 == Nach dem Ausformen kann man kleinere Fehlstellen nacharbeiten. Die Grate an den Trennstellen werden mit einem scharfen Messer entfernt.

== gubn_img-11 == Beton benötigt zwei bis drei Wochen, um seine Endfestigkeit zu erreichen. Da zum Abbinden Wasser notwendig ist, darf der Beton in dieser Zeit nicht austrocknen. Die gegossene Figur wird deshalb in feuchte Tücher eingeschlagen, um die eine Folie gewickelt ist. In diesem Wickel ruht die Figur zwei Wochen.

== gubn_img-12 == Nach zwei Wochen werden Unebenheiten mit Diamantfeilen beseitigt. Mit Säure kann der Zementleim auf der Oberfläche entfernt werden. Dann treten die Sandkörner des Mörtels nach außen. So bekommt die Figur die Anmutung eines feinkörnigen Sandsteins.



↪ ZUM SEITENANFANG

2  |  MOBYDUR

2.1  |  Vorüberlegungen

== gubn_img-41 == Bevor es an die Arbeit geht, muss man alle Schritte durchdacht haben und die großen Risiken schon in Gedanken ausgeschlossen haben. Dieses Bild macht man sich am besten, bevor man die Form baut. Die Form und das Herstellungsverfahren üben einen starken gegenseitigen Einfluss aus.

Das Foto zeigt das Urmodell aus Gips. Die Figur ist 83 cm hoch. Diese Figur möchte ich aus einem selbstverdichtenden Beton mit hoher Festigkeit gießen. Die Trockenmischung ist unter dem Handelsnamen MOBYDUR erhältlich.

== gubn_img-42 == Eine sitzenden Figur kann in der Regel gut von der Sitzfläche aus betoniert werden. Nach einem Fehlversuch, bei dem die Arme nicht ganz gefüllt wurden, habe ich mich dafür entschieden, in drei Schritten die Figur zu gießen. Im ersten Schritt werden die Beine betoniert. Wenn der Beton fest genug ist, um die Form von den Füßen auf den Kopf zu stellen,sind im zweiten Schritt der Kopf und der linke Arm an der Reihe. Im dritten und letzten Schritt wird der Rumpf gegossen.

== gubn_img-43 == Das Foto zeigt die teilweise geöffnete Form. So kann man die ersten beiden Schritte des Gießvorgangs realisieren.

2.2  |  Vorbereitung

== gubn_img-44 == Zunächst wird die Form mit einem speziellen Trennmittel für Beton (PLOPP) eingestrichen. Dabei sind mit Trennmittel gefüllte Pfützen zu vermeiden.

Die dünneren Bauteile - Arme und Beine - erhalten eine Bewehrung aus Edelstahl. Wegen der geringen Betonüberdeckung sind rostende Stähle nicht ausreichend gegen Korrosion geschützt. Gewindestangen M5 werden so gebogen, wie die Form der Figur es vorgibt.

== gubn_img-45 == Die Stäbe der Bewehrung werden mit Abstandshalter aus Edelstahl in der Form zentriert.

Beim Guss hat sich gezeigt, dass die Drahtenden der Abstandshalter umgebogen werden sollten, um das Eindringen der Abstandshalter in den Silikonkautschuk zu vermeiden.

2.3  |  Guss

== gubn_img-46 == Die Form für die Beine wird geschlossen und mit Schrauben zusammengepresst. So ist gewährleistet, dass nur ein feiner Grat entlang der Trennfugen beim Gießen entsteht und die Form dicht bleibt. Dann wird die Form aufgerichtet und mit einem Seil an einem Deckenhaken befestigt.

Die erste Portion Beton wird gemischt. Man möchte es nicht glauben, dass 85-95 g Wasser pro 1000 g Trockenmischung einen fließfähigen Beton ergeben. Nach 5-8 Minuten Rühren fließt der Beton tatsächlich. Eine detaillierte Anleitung finden Sie bei moertelshop.com.

== gubn_img-47 == Die Beine sind gegossen. Die Form bleibt in dieser Position, bis der Beton so fest geworden ist, dass er sich selbst trägt.

== gubn_img-48 == Jetzt werden Betonreste aus der Form entfernt. Dann wird die Teilform für den Kopf geschlossen. Die Form wird auf den Kopf gestellt.

Zunächst werden der Kopf und der Schulterbereich gegossen. Der Beton wird am tiefsten Punkt des Kopfes eingegossen und muss beim Ansteigen des Pegels auch den linken Arm füllen. Leichtes Stochern im Beton verbessert das Einströmen in die relativ kleinen Querschnitte.

Danach wird die Form im Rumpfbereich geschlossen.

== gubn_img-49 == Der Rumpf hat den größten Anteil an der Masse der Figur. Verglichen mit dem Querschnitt des Rumpfes ist der Querschnitt des rechten Arms sehr klein. Eingegossen wird in den Rumpf, im Arm steigt der Beton wie in einer Kommunizierenden Röhre nach oben. Leichtes Stochern unterstützt das Fließen des Betons in den Arm hinein. Selbstverdichtender Beton darf nicht gerüttelt werden!

== gubn_img-50 == Der Beton entlüftet sich selbsttätig. Kleine Luftblasen (Pfeil und Lupe) steigen durch die Betonmasse nach oben.

Nach dem Betonieren sollte man dem Beton einen bis zwei Tage Zeit geben, um eine gute Anfangsfestigkeit zu erreichen.

2.4  |  Ausformen und Korrektur

== gubn_img-51 == Das Foto zeigt die Rückseite der gegossenen Figur. Die Vorderseite ist noch in der Form. Wer genauer hinschaut sieht einige Fehler oder Abweichungen vom Idealzustand, auf die ich im Folgenden eingehe.

== gubn_img-52 == (1) Der Haarknoten ist unvollständig. Offensichtlich konnte die Luft beim Gießen nicht entweichen. Mit einem kleinen Luftkanal in der Form wird sich dieser Fehler nicht wiederholen.
(2) Im Schulterbereich ist ein Versatz zu sehen. Ursache dafür ist eine Instabilität in der Form. Wahrscheinlich ist in diesem Bereich die Form zu dünn und fällt deshalb ein.
(3) Das sind einfach Luftblasen. Vielleicht hätte ich dem Beton während des Gießens mehr Zeit zur Entlüftung lassen sollen, das meint, in kleineren Portionen gießen und dann eine Pause einlegen, um der Luft die Gelegenheit zu geben den Beton zu verlassen. Bei der linken Hand fehlt wie beim Haarknoten ein Luftkanal.

== gubn_img-53 == Die Vorderseite ist die Schokoladenseite. Sie lag beim Guss unten und hat deshalb geringere Risiken für Luftporen.

== gubn_img-54 == (4) Dieser Versatz ist ein Fehler in der Form. Wahrscheinlich ist hier beim Zusammenfügen der Formteile etwas passiert.
(5) Ein Betonierfehler, der mit der Position der Form beim Abschluss des Betoniervorgangs etwas zu tun haben könnte.
(6) Das ist die Betonierfuge zwischen den Beinen und dem Rumpf. Eine Schlamperei beim Betonieren.

== gubn_img-55 == (7) Ein typisches Entlüftungsproblem. Dort stiegen die Luftblasen nach oben, konnten aber die freie Oberfläche nicht erreichen.

== gubn_img-56 == (8) Die Hand lag beim Betonieren mit der Handinnenfläche nach oben. Offensichtlich wollte ich endlich fertig werden und habe den Beton zu schnell eingegossen und der Luft den Weg nach außen versperrt.
(9) So sieht ein Grat aus, der sich bilden kann, wenn die Formteile nicht eng aufeinander liegen.

Die gezeigten Fehler sind korrigierbar. Siebt man aus der Trockenmasse die groben Sandkörner aus, dann erhält man einen Feinmörtel mit dem die Fehlstellen gespachtelt werden können. Man kann diesem Feinmörtel seine Fließfähigkeit nehmen, indem man nach dem eigentlichen Anmachen mit Wasser etwas Stellmittel Typ A für Knetbeton hinzugibt.

2.5  |  Nachbehandlung

== gubn_img-57 == «Gregoria», so heißt die Figur, in strahlendem Betonweiß. Am Klang des Betons hört man schon, dass der Beton jetzt schon eine gute Festigkeit hat.

== gubn_img-58 == Zwei Wochen sollte der Beton nun Zeit haben, seine Endfestigkeit zu erreichen. Beton bindet ab, das heißt baut ein kristallines Gefüge auf, und trocknet nicht, wie manche Laien meinen. Zum Abbinden benötigt der Beton Wasser. Deshalb wird die Figur in feuchte Tücher gewickelt.

== gubn_img-59 == Dann kommt die «Betonmumie» in einen Plastiksack, der verschlossen wird.

Nach zwei Wochen wird die Oberfläche mit Diamantfeilen, Diamantschleifpapier oder anderen geeigneten Schleifmitteln geglättet.



↪ ZUM SEITENANFANG

3  |  GIPS

== gubn_img-71 == Wenn man an vorhandenen Figuren weiterarbeiten möchte, ist ein Abguss in Gips sinnvoll. So entstand das Modell für den Kopf von Gregorias Mutter (Foto) aus dem Kopf von Gregoria.

Ein geeignetes Trennmittel für Gips ist mit Wasser verdünnte Schmierseife. Zum Gießen wird der Gips gleich nach dem Anmachen verwendet. Zunächst wird die Form fast vollgegossen, geschwenkt und gleich wieder geleert. So bleibt eine dünne blasenfreie Schicht in der Form. Anschließend wird die Form wieder ganz mit dem Gips gefüllt.



↪ ZUM SEITENANFANG